Der Fernwärme-Westverbund steht in den Startlöchern

 

Bild: Fotolia.com, Rynio Productions 
Die Stadtwerke Dinslaken behaupten sich weiter im Wettbewerb und setzen für ihr Wärmegeschäft auf den bevorstehenden Zusammenschluss der Fernwärmenetze im Ruhrgebiet. Thomas Götz ist ein alter Fahrensmann in der Energiewirtschaft. Nach einem mehrjährigen Engagement bei der Saarberg Fernwärme GmbH managt er seit Herbst 2001 die Stadtwerke Dinslaken, die seit den 1970er Jahren stark in der Fernwärmeversorgung engagiert sind. Das Auf und Ab der jährlichen Gradtagzahlen bringt ihn längst schon nicht mehr aus der Ruhe. Dabei haben ihm die warmen Temperaturen des vergangenen Jahres zumindest für das zurückliegende Jahr etwas die Bilanz verhagelt. Beim Wärmeabsatz gab es für die Dinslakener, bei denen die Fernwärmeversorgung für rund 40 % des Umsatzes sorgt, nach den vorläufigen Zahlen ein Minus von etwa 15 % verbucht. „Wir werden deshalb unsere vorjährigen Rekordzahlen mit einem Umsatz von über 193 Millionen Euro und einem Konzerngewinn von rund 24,5 Millionen Euro nicht erreichen, aber dennoch ein gutes Ergebnis präsentieren.“ Zum „Jammern“, so Götz, bestehe dennoch kein Anlass.

Warum auch. Das mittelgroße Stadtwerk am Nordwestrand des Ruhrgebiets ist gut positioniert. Beispiele dafür gibt es genug: Im vergangenen Jahr konnten die Dinslakener rund 1 200 neue Stromkunden im Haushaltskundensektor gewinnen, Gemessen an den Zahlen zu 2012 ergibt das im Saldo ein Plus von 200 Haushalten: „Nach eine Analyse der Verbraucherzentrale zählen wir mit zu den günstigsten Versorgern in Nordrhein-Westfalen“, zeigt sich Götz zufrieden, „wir gewinnen wieder Kunden anstatt wie andere Kommunalversorger sie zu verlieren.“ Auch darüber, dass sein Stadtwerk den Stromabsatz im Großkundengeschäft in letzter Zeit mit über 220 Mio. kWh mehr als verdoppeln konnte.

Mit mittlerweile 20 Tochtergesellschaften beackern die Stadtwerke Dinslaken ein immer größer werdendes Portfolio; Bäder, Datenkommunikation bis hin zu Contracting, und zwar bundesweit, ist alles dabei. Erst im vergangenen Jahr konnten die Dinslakener Stadtwerke einige Contracting-Projekte in München, Köln oder Rostock für sich entscheiden. „Wenn wir nur noch in Dinslaken tätig wären, könnten wir schon längst nicht mehr die Ergebnisse wie heute erzielen“, sagt Götz.Das nächste Großprojekt des Unternehmens findet mit dem Bau der Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr quasi vor der eigenen Haustür statt. Bau ist nicht die richtige Vokabel, es geht um den Zusammenschluss der drei großen, bestehenden Fernwärmenetze im Ruhrgebiet zwischen dem Niederrhein und Lünen östlich von Dortmund. Dieser Zusammenschluss ist eines der energiepolitischen Lieblingsprojekte der rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf. Vor allem im Ballungsraum Ruhrgebiet verspricht sich die Regierungskoalition mit dem Fernwärmeausbau einen deutlich Fortschritt bei der Senkung der Treibhausgase sowie beim Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Die wirtschaftliche und ökologische Machbarkeit des Projektes hatte sich Klimaschutzminister Johannes Remmel eigens vom Ingenieurbüro BET GmbH aus Aachen mit einem umfangreichen Gutachten attestieren lassen.

Das Vorhaben steht nicht mehr länger allein auf dem Papier. Um zumindest den Westverbund, sprich die Verbindung der Fernwärmeschiene Niederrhein mit dem Steag-Netz (das sozusagen das mittlere Ruhrgebiet umfasst), in Angriff zu nehmen, gründen die beteiligten Unternehmen Steag Fernwärme, Energieversorgung Oberhausen (evo) und die Fernwärmeversorgung Niederrhein (ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Dinslaken) im März eine gemeinsame Projektgesellschaft. An diesem Gemeinschaftsunternehmen ist die Steag mit 56,6 %, Dinslaken mit 25,1 % sowie die evo mit 18,3 % beteiligt. „Wir wollen mit dieser Plattform keine großen Gewinne erwirtschaften, sondern unsere Fernwärmeversorgung langfristig sichern“, betont Stadtwerke-Chef Götz.

Im März will das Trio die Genehmigungsunterlagen für die in vier Abschnitten geplante, rund 25 km lange Trasse zwischen Essen-Nord und dem Kohlekraftwerk in Duisburg-Walsum einreichen. „Wir gehen von einer rund einjährigen Bearbeitungszeit aus“, skizziert Thomas Döking, bei dem als Leiter der Hauptabteilung Fern- und Nahwärme in Dinslaken die technischen Planungen für den Westverbund über den Schreibtisch laufen, den weiteren Zeitplan. 2019 könnten erste Abschnitte der neuen Trasse, bei der Rohre mit einem Durchmesser von 1 200 mm verlegt werden, in Betrieb gehen. Im Folgejahr soll der Bau, bei dem rund 60 % der Leitungen oberirdisch verlegt werden, dann abgeschlossen sein. „Das ist sicherlich ein Jahrhundert-Projekt für das Ruhrgebiet“, schwärmt Stadtwerke-Chef Götz schon heute.

Mit der neuen Trasse erhofft sich Hauptabteilungsleiter Thomas Döking auch die Wärmeeinspeisung von weiteren industriellen Unternehmen. „Erste Gespräch laufen bereits“, lässt er durchblicken.

Nach den Worten von Götz belaufen sich die Investitionskosten auf rund 200 Mio. Euro, wobei die Westverbund-Partner auf eine großzügige Förderung aus der Landeskasse hoffen. Die Projektgesellschaft selbst will lediglich 20 Mio. Euro eigenes Geld in die Hand nehmen, um das Vorhaben anzuschieben. „Da wir als Unternehmen auch den Wärmeabsatz sicherstellen, sehen wir keine Probleme, Geld von den Banken zu bekommen“, betonte Götz.

Neben dem großen Projekt Fernwärmeschiene ist der Stadtwerke-Chef froh, auch bei kleineren, dezentralen Projekten Fortschritte zu machen. Anfang 2016 wird endlich die erste Windturbine auf Dinslakener Stadtgebiet in Betrieb gehen. Zusammen mit den Partnern RAG Montan Immobilien und Mingas-Power (ein Gemeinschaftsunternehmen von Steag und RWE Power) haben die Stadtwerke beim Windturbinenhersteller Enercon eine 3-MW-Anlage bestellt. Errichtet wird die Windturbine auf der Abraumhalde der einstigen Zeche Lohberg – ein symbolträchtiger Standort, der für den Wandel der Energieregion Ruhrgebiet steht.
Der vorstehende Beitrag zum Thema  Fernwärme  wurde bereitgestellt von:

Energie & Management

Januar 22, 2015

Ralf Köpke

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