Lichtblick aus der Kurpfalz

Bild: Fotolia.com, Rynio Productions

Statt über die Energiewende zu lamentieren, bastelt MVV Energie weiter an seinem Umbau und an neuen Wachstumsfeldern. Was zu klappen scheint, denn das Unternehmen erwartet wieder wachsende Gewinne. Stimmlich leicht angegriffen kam Georg Müller zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz der MVV Energie AG. Ob die Stimmbäder vom Vorstandschef des Kurpfälzer Energieunternehmens eine Gesangeseinlage zugelassen hätte, sei dahingestellt. Müller jedenfalls hat nicht in den Chor vieler seiner Branchenkollegen eingestimmt, die die Energiewende als großes Jammertal empfinden und verteufeln. Keine Frage, auch bei MVV Energie ist das operative Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr gesunken, und zwar von 208 auf 173 Mio. Euro. Die Summe liegt am unteren Korridor von 170 bis 185 Mio. Euro, den Müller im Dezember 2013 als Prognose für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2013/2014 gegeben hatte. Beim bereinigten Jahresüberschuss konnte das MVV-Management mit 85 Mio. Euro und mit 1,29 Euro pro Aktie das gleiche Ergebnis wie im Jahr erreichen – was zeigt, dass sich auch in Zeiten der ach so vermaledeiten Energiewende als Energieversorger Geld verdienen lässt.

Die Ergebnisse sind deshalb umso beachtenswerter, da auch MVV Energie in den zurückliegenden zwölf Monaten unter den sinkenden Großhandelspreisen an der Börse und einem spürbaren Rückgang beim Gas- und Wärmeabsatz − was als einer der bundesweiten größten Fernwärmeanbieter besonders weh tut − wegen der milden Wintermonate zu leiden hatte. Mit einer negativen Nabelschau hielt sich Müller bei der Präsentation der Bilanzzahlen nicht länger als nötig auf, ihm kam es vielmehr auf den Blick nach vorn an: „Unser Ausblick ist positiv, für das kommende Jahr erwarten wir ein operatives Ergebnis zwischen 180 und 195 Millionen Euro.“ Sprich, MVV zeigt, dass im Energiewende-Zeitalter auch ein Unternehmenswachstum möglich ist.

Mit zu dem erwarteten Plus beitragen sollen die Übernahme des Projektentwicklers Windwärts Energie sowie die formell wohl erst vor Weihnachten abgeschlossene Mehrheitsbeteiligung an der Juwi AG, dem hierzulande führenden Entwickler von Windkraftprojekten. Auch wenn schwerpunktmäßig die von beiden Unternehmen künftig fertig gestellten Windparks an externe Investoren verkauft werden, ist absehbar, dass MVV sein grünes Portfolio weiter ausbauen wird. Bereits heute decken die konzerneigenen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie alle grüne Kraftwerke 51 % der Stromerzeugung, bundesweit liegt diese Quote am Jahresende wohl bei 44 %. MVV wird jedenfalls grüner, was ganz auf Linie der im Jahr 2009 beschlossenen Unternehmensstrategie MVV 2020 liegt: „Die Energiewelt wird dezentraler und regenerativer, darauf haben wir uns frühzeitig eingestellt“, so Müller. Dass sein Unternehmen bei den finanziell ins Schlingern geratenen Öko-Spezialisten Windwärts und Juwi zu eher marktunüblichen, sprich niedrigeren Preisen komplett beziehungsweise mehrheitlich einsteigen konnte, fällt unter die Rubrik Glück des Tüchtigen.

Windkraft, Fernwärme und Direktvermarktung im Blick

Während MVV dank der Deals mit Windwärts und Juwi vor allem bei der Windkraft an Land bestens für alle künftigen Aktivitäten aufgestellt ist, sorgt sich das Unternehmen um die Kraft-Wärme-Kopplung, bislang die große Säule in der Mannheimer Erzeugungsstrategie. „Bei den derzeitigen Strompreisen rechnen sich hocheffiziente KWK-Anlagen immer weniger“, monierte Technik-Vorstand Werner Dub, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Das gesetzliche festgelegte KWK-Ausbauziel von 25 % bis Ende 2020 sieht Dub gefährdet, wenn auch die Bestandsanlagen bei der im Jahr 2015 anstehenden Novelle des KWK-Gesetzes nicht berücksichtigt werden. Dub plädierte wie die KWK-Branche für einen Bonus von 2 Ct/kWh, sprich eine Verdoppelung des heutigen Fördersatzes, der allerdings nur für neue und modernisierte Anlagen gilt. „Es ist auch absehbar, dass wir mit dem bisherigen Förderniveau von 750 Millionen Euro im Jahr das 25-Prozent-Ziel nicht erreichen werden“, sagt Dub, sprich der KWK-Fördertopf muss aufgestockt werden. Dazu hat sich die schwarz-rote Bundesregierung bislang nicht festgelegt, wie überhaupt in den vergangenen Wochen wenig positive Signale aus Berlin für die künftige KWK-Politik gekommen sind. „Das sehen wir sehr kritisch“, betonte Vorstandschef Müller sehr entschieden.

Dass MVV im kommenden Jahr auch „alte“ KWK-Anlagen stilllegen wird, hängt mit der überfälligen Inbetriebnahme des Blocks 9 im Großkraftwerk Mannheim zusammen. Wenn dort im kommenden Mai, so die derzeitige Planung, der kommerzielle Betrieb endlich beginnt, nimmt MVV die Blöcke 3 und 4 vom Netz – doch das gefährdet die Fernwärmeversorgung im Großraum Mannheim nicht. „Wir können die Wärme auch mit einer einfachen Kessellösung produzieren, was allerdings wenig effektiv und kein Beitrag für den Klimaschutz ist“, appellierte Dub Richtung Berlin, sich in Richtung KWK-Gesetz zu bewegen.

Nach Berlin schaut auch sein Vorstandskollege Ralf Klöpfer. Der Vertriebsvorstand würde allzu gerne Stromkunden direkt mit regionalem Ökostrom beliefern. Da muss das Bundeswirtschaftsministerium eine Verordnungsermächtigung aus der jüngsten EEG-Reform umzusetzen, die einen Ersatz für das bisherige Grünstromprivileg ermöglicht. „Es gibt derzeit eine Lücke bei der Direktvermarktung, die einfach im Interesse vieler Endkunden geschlossen werden muss, die wirklich Ökostrom sozusagen aus eigener Schlachtung haben wollen“, betonte Klöpfer. Mit dem Grünstrom-Markt-Modell hatten im Sommer eine Handvoll Ökostromunternehmen Überlegungen vorgelegt, wie diese regionale Ökostrom-Direktvermarktung bewerkstelligt werden kann. MVV Energie ist bislang das einzige Unternehmen der traditionellen Energiewirtschaft, die das Modell offensiv unterstützt. „Das Modell macht einfach Sinn“, sagte Klöpfer, „es unterstützt unseren Kurs, bei dem wir uns vielmehr auf die Endkunden fokussieren. Zudem zählt MVV mit einem Portfolio von rund 2 600 MW zu den größten Direktstromvermarktern bundesweit. MVV hat die Anlagen und interessierte Kunden, was fehlt ist noch das grüne Licht aus Berlin.

Auch dieses durchaus nennenswerte Portfolio für die Direktvermarktung, von dem rund die Hälfte auf Photovoltaikanlagen entfällt (damit ist MVV Energie Spitzenreiter), zeigt, dass das Unternehmen sich auf die Energiewende eingestellt hat. Wer Slogans wie „Neue Energie? Aber sicher!“ (aus dem Vorjahr) oder „Andere reden von der Energie. Wir machen sie.“ (aktuell) kreiert, kann sich wahrlich nicht in den Chor der Energiewende-Jammerer einreihen. Sonst müssten diese flotten Sprüche schnellstens geändert werden, wozu es bei MVV Energie aber keinen Anlass gibt.

Der vorstehende Beitrag zum Thema Energiewende wurde bereitgestellt von:

Energie & Management

Dezember 10, 2014

Ralf Köpke

Tel: +49 8152 9311-0

Fax: +49 8152 9311-22

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