Komplexe Gemengelage an der Kieler Förde

Bild: Fotolia.com, bluedesign

Der Verkauf der MVV Energie-Anteile an den Stadtwerke Kiel zieht sich hin, was auch Auswirkungen auf den Bau des geplanten Gasmotorenheizkraftwerkes hat.
Das Interesse von Energieversorgern, den 51-prozentigen Anteil von MVV Energie an den Stadtwerken Kiel zu übernehmen, wächst. Nach einem Bericht der Kieler Nachrichten zählen zu den Interessenten unter anderem die Thüga-Gruppe sowie ein Konsortium, zu dem sich der Entsorgungskonzern Remondis sowie einige Stadtwerke aus Schleswig-Holstein zusammengefunden haben. Zu diesen Kommunalversorgern gehören nach Informationen von E&M Powernews die Stadtwerke aus Flensburg, Lübeck und Neumünster. Wie an der Kieler Förde zu hören ist, will auch der Netzbetreiber Hansewerk (ehemals Eon Hanse) seinen Hut in den Ring werfen.

Interessant bei dieser Anbieterschar ist allemal der Remondis-Konzern, der seine Energie-Aktivitäten ausweiten will. Die Premiere war dem Unternehmen aus dem westfälischen Lünen in diesem Herbst gelungen, als die Übernahme der knapp 19-prozentigen Beteiligung des RWE-Konzern an dem Regionalversorger Enervie in Hagen abgeschlossen werden konnte. Im Mai hatte MVV Energie erklärt, sich von seiner Mehrheitsbeteiligung an den Kieler Stadtwerken trennen zu wollen. Die Kurpfälzer wollen, so eine der Hauptgründe für die damalige Ankündigung, die rund 280 Mio. Euro teure Investition in das geplante Gasmotorenheizkraftwerk nicht mittragen. Die vorgesehenen 20, in Reihe geschalteten Gasmotoren sollen das in die Jahre gekommene, kohlebefeuerte Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) ersetzen. Nach den bisherigen Plänen sollte das GKK im Jahr 2016 vom Netz gehen, eine Ersatzlösung ist unverzichtbar, anders wäre die Fernwärmeversorgung in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins nicht aufrecht zu erhalten. Bis heute zieht sich der Verkaufsprozess allerdings hin.

Die Gemengelage an der Kieler Förde ist durchaus komplex: Erst wenn Klarheit über die künftige Eigentümerstruktur bei den Stadtwerken herrscht, dürfte der Auftrag für das Gasmotorenheizkraftwerk ausgelöst werden. Die Geschäftsführung der Stadtwerke schließt anscheinend Verzögerungen bei dem Verkaufsprozess nicht aus. Anders ist nicht zu erklären, dass der Kommunalversorger laut Kieler Nachrichten derzeit prüfen lässt, ob und wie ein Weiterbetrieb des GKK bis zum Jahr 2025 möglich ist.

Die Situation ist auch deshalb komplex, weil Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und einige Ratsfraktionen wieder die kommunale Mehrheit an den Stadtwerken zurückgewinnen wollen. Ihnen schwebt vor, mindestens 2 % der Anteile zurückzukaufen. Wie die bislang bekannt gewordenen Interessenten an dem Paket von MVV Energie dazu stehen, ist nicht bekannt.

Für ihre 51-prozentige Beteiligung an den Kieler Stadtwerken fordert MVV einen Kaufpreis von 197 Mio. Euro, vor gut zehn Jahren beim Einstieg hatten die Kurpfälzer dafür rund 125 Mio. Euro bezahlt. Die MVV-Forderung ist deshalb im hohen Norden durchaus umstritten. Für Spannung an der Kieler Förde dürfte damit in den kommenden Wochen gesorgt sein.

Der vorstehende Beitrag zum ThemaVerkauf der MVV Energie-Anteile wurde bereitgestellt von:

Energie & Management

Dezember 08, 2014

Ralf Köpke

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