Strom tanken per Smartphone

Bild: Fotolia_36528687_S© JiSIGN – Fotoliacom
Belectric

Servicefreundliche Systeme für den Aufbau städtischer Ladenetze für Elektroautos bietet der Entwickler Belectric Drive an.

„Wir müssen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos darauf achten, keine Inseln mit inkompatiblen Systemen zu schaffen“, mahnt Sebastian Bachmann. Der Geschäftsführer des Ladeboxen- und Ladesystementwicklers Belectric Drive im nordbayerischen Kitzingen spricht damit ein akutes Problem an: Viele Ladenetze für Elektroautos sind nur mit speziellen Ladekarten und damit nicht für alle Autofahrer zugänglich.

Belectric Drive hat deshalb ihre Systeme so entwickelt, dass sie nicht nur mit Ladekarten, sondern mit jedem Smartphone genutzt werden können. Die Freischaltung erfolgt dann über QR-Code oder SMS. Das Softwaremodul (sms&charge) erlaube eine Abrechnung des getankten Stroms über die Mobilfunkrechnung des E-Mobil-Fahrers oder per Prepaid-Guthaben – und das europaweit, wie Bachmann betont. Weder eine Registrierung beim Ladeboxenbetreiber noch ein Vertrag sind nötig. Die Software erspare den Betreibern Verwaltungs- und Abrechnungsaufwand.

Wichtig ist dem Geschäftsführer noch etwas: Die Ladeboxen von Belectric Drive seien wartungs- und servicefreundlich. Der patentierte Plug-and-Play-Mechanismus ermögliche einen Austausch innerhalb weniger Minuten, so Bachmann. Dank Online-Updates entfalle eine Wartung vor Ort.

Als weiteren Pluspunkt nennt Bachmann den Ladebox-Controller. Diese Steuerungselektronik soll Ladestationen intelligent machen. Der Lastmanagement-Controller ermögliche die Verschiebung von Ladezeiten und Lastspitzen im Netz, maximiere die Nutzung von Solarstrom aus lokale Photovoltaikanlagen und steuere Batteriespeicher im System. Die Online-Funktion der Stationen erlaube nicht nur das Lastmanagement, sondern auch Abrechnung per SMS und Übermittlung von Echtzeit-Ladeinformationen an Navigationssysteme.

Stadtwerke als wichtige Partner

Der Hersteller aus Kitzingen hat bereits über 250 onlinefähige Ladepunkte für Elektroautos in Deutschland und Frankreich installiert. Kommunale Versorger wie N-Ergie in Nürnberg oder Stadtwerke Uelzen sind wichtige Partner. „Der Anteil unserer mit Stadtwerken durchgeführten Projekte liegt bei 70 bis 80 Prozent“, berichtet Bachmann. Fahrer von BMW-Elektroautos, die dem BMW i ChargeNow Netzwerk angehören, können an Belectric-Drive-Ladesäulen mit ihrer Karte Strom tanken. Außerdem kooperiert Belectric Drive mit dem Ökostromversorger Naturstrom.

Als zunehmend interessante Kunden sieht der Geschäftsführer Unternehmen, die erneuerbaren Strom erzeugen und als Eigenstrom in ihren Flotten nutzen oder Mitarbeitern anbieten wollen sowie Supermärkte und Einkaufszentren, die auf Parkplätzen Lademöglichkeiten einrichten wollen. Der halböffentliche Raum biete bessere Möglichkeiten zum Aufbau von Ladenetzen als öffentlicher Grund, wo komplizierte Genehmigungsverfahren zu durchlaufen seien.

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Fahrzeuge wird immer besser. Wir glauben, dass sich heutige Investitionen in Geschäftsmodelle mit Elektroautos und Ladenetzen ab 2017 auszahlen“, meint Bachmann. Wenn die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos weiter so stark wachse wie im ersten Halbjahr 2014, sei die von der Bundesregierung angestrebte eine Million E-Mobile bis 2020 sogar noch zu schaffen, zeigt er sich zuversichtlich.

Energie & Management

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