Eine Ladekarte für alle Fälle

Bild: Fotolia_36528687_S© JiSIGN – Fotoliacom
Viele Stadtwerke möchten den Trend zur Elektromobilität nicht verpassen. Beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur hilft die Initiative ladenetz.de.

Angesichts der bislang geringen Zahl von Elektroautos und hoher Kosten für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur ist mit dem reinen Stromverkauf an Autofahrer kaum Geld zu verdienen. „Warum sollen wir für 10 000 Euro eine Ladestation aufstellen, wenn es kein Geschäftsmodell für das e-Tanken gibt und dort überwiegend Nicht-Kunden Strom ziehen“, fragt Peter Friedrich. Der kaufmännische Betriebsleiter der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen verweist auf hohe Transaktionskosten für die Durchbuchung des Rechnungsbetrages für Ladestrom bis zum Elektroautofahrer, die IT-Anbindung und die buchhalterische Integration des Ladevorgangs.

Da kommt eine Initiative wie ladenetz.de wie gerufen. „Lokale Energieversorger können ladenetz.de als Partner beitreten und so unkompliziert, kostengünstig und zukunftsorientiert in das Geschäftsfeld Elektromobilität einsteigen“, erklärt Mark Steffen Walcher, Geschäftsführer der smartlab Innovationsgesellschaft in Aachen, die hinter ladenetz.de steht. Smartlab ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Aachen, Duisburg und Osnabrück.

Die Beitrittsgebühr zu ladenetz.de ist abhängig von der Größe des Stadtwerks und beginnt bei 2 500 Euro für kleine Unternehmen. Dazu kommen Einrichtungskosten für die Anbindung an das smartlab-IT-System. Sie betragen 99 Euro pro Ladepunkt, bei einer Ladesäule mit zwei Ladepunkten also 198 Euro.

Monatlich fallen zudem 12 Euro für die Verwaltung und 2 Euro für die Web-Präsenz pro Ladepunkt an. Dafür veröffentlicht smartlab Ladepunktdaten auf ihrer Internetseite sowie in der bislang nur für i-Phones entwickelten lade-App und gibt die Daten an Navigationsdienstleister weiter. Über eine SIM-Karte in jeder Ladestation und das Mobilfunknetz erhalten die Stadtwerke Zugang zur Ladepunkt-Verwaltung und zur Fernwartung der Ladesäulen.

Bescheidene Einnahmemöglichkeiten für Stadtwerke

Den Kosten stehen bislang noch bescheidene Einnahmemöglichkeiten gegenüber. Kunden der beteiligten Stadtwerke erhalten eine Ladekarte noch überwiegend gratis, ebenso wie den abgegebenen Strom. Auch für Nichtkunden gibt es Ladestrom umsonst, Ladekarten kosten 180 Euro für ein Jahr, 50 Euro für einen Monat oder 20 Euro für sieben Tage. Alle Einnahmen werden von smartlab nach Abzug eines Eigenkostenanteils an die Stadtwerke weitergeleitet. „Wir haben dieses Preismodell entworfen, die Preishoheit liegt aber bei den einzelnen Stadtwerken“, sagt smartlab-Chef Walcher.

Die Initiative ladenetz.de entstand aus einem Forschungsprojekt zu Ladeinformationssystemen. Gestartet mit 13 Energieversorgern und 150 Ladepunkten verzeichnete sie stetes Wachstum. Heute sind von Sylt bis Waldshut-Tiengen fast 40 Stadtwerke sowie die Autokonzerne BMW und Mitsubishi mit deutschlandweit 190 Ladesäulen beziehungsweise 380 Ladepunkten Partner bei ladenetz.de.

Über Roaming-Kooperationen mit den Energieversorgern EnBW (734 Ladepunkte), Vattenfall (220) und den EWE (66) sowie The New Motion (3 500) und dem niederländischen Ladenetzbetreiber e-laad (2 458) erschließt der Verbund fast 4 000 Ladestationen mit über 7 000 Ladepunkten in Deutschland, in den Benelux-Staaten und in Österreich.

Netzwerk elektromobilitätserfahrener Partner

Ziel von smartlab ist es, Stadtwerke und weitere Partner für Elektromobilität zu gewinnen und ein flächendeckendes Netz von kommunalen Ladestationen in Deutschland aufzubauen. Ergebnis ist ein Netzwerk elektromobilitätserfahrener Partner, in dem laufend Experten- und Praxiswissen in Form von Beratung, Schulungen und Veranstaltungen ausgetauscht wird.

Von Anfang an mit dabei sind die Allgäuer Überlandwerke (AÜW). „Für uns ist ladenetz.de ein wichtiger Baustein, um uns im Allgäu als kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen rund um Elektromobilität und Ladeinfrastruktur zu positionieren“, erklärt AÜW-Vertriebsleiter Stefan Mayer. Auch die Stadtwerke München sind Partner von ladenetz.de. Sie betreiben 21 Ladesäulen, neun davon sind zum Roaming angemeldet.

Die neuesten ladenetz.de-Zahlen deuten auf Dynamik in der Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland hin: Derzeit werden rund 3 000 Ladekarten von ladenetz.de aktiv genutzt. Die Zahl der Ladepunkte der ladenetz.de-Infrastruktur ist von Mitte 2013 bis Mitte 2014 um 35 Prozent auf 380 gewachsen, die Anzahl der Ladevorgänge stieg um 200 Prozent auf über 17 000. Seit Anfang 2012 bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2014 wurden an den Ladepunkten insgesamt 150 000 kWh Strom abgegeben.

„Durch ladenetz.de und seine Roaming-Abkommen können Stadtwerke-Kunden mit einer Ladekarte exklusiv in ganz Deutschland tanken“, bringt Walcher die Vorteile auf den Punkt. „Der Kunde erhält Zugriff auf das bundesweit größte Ladeinfrastrukturnetzwerk, ihm wird dadurch die Reichweitenangst genommen.“

Starke Zuwächse auf niedrigem Niveau

Im Promillebereich spielt sich in Deutschland die Elektromobilität ab: 515 reine Elektroautos wurden im August 2014 neu zugelassen, das waren exakt 4,1 Promille oder 0,41 Prozent von 213 092 Pkw-Neuzulassungen. Auch beim Gesamtbestand von 43,9 Millionen Pkw rangieren die knapp 17 456 Batterieflitzer mit 0,4 Promille eher unter „ferner liefen“.

Die Zuwächse wiesen zuletzt eine gewisse Dynamik auf. Zu den 12 156 reinen Elektro-Pkw Anfang dieses Jahres kamen von Januar bis Ende August 5 300 neue hinzu, ein Plus von 43,6 Prozent. Die meisten Elektro-Pkw fahren mit je rund 2 400 in Baden-Württemberg und Bayern. Elektroauto-Hauptstadt ist Stuttgart mit rund 900, davon über 400 Elektro-smart der Flotte des Carsharing-Anbieters Car2go, gefolgt von München (800), Wolfsburg (700), Berlin (660, davon 350 Citroen C-Zero des Carsharing-Anbieters Multicity) und Köln (550).

Der vorstehende Beitrag zum Thema  Elektromobilität wurde bereitgestellt von:

Energie & Management


September 9, 2014

Reinhard Siekemeier

Tel: +49 8152 9311-0
Fax: +49 8152 9311-22
info[ @]emvg.de© 2014
E&M GmbH Alle Rechte vorbehalten

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: