BHKW-Musteranlage: BHKW für Badespaß

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Das sanierte Hallenbad der hessischen Stadt Haiger versorgen die Stadtwerke als Contractor effizient mit Wärme und Strom aus zwei neuen 20-kW-BHKW-Modulen. Am 30. Juni konnten die Mitglieder des Fördervereins Hallenbad Haiger e.V. aufatmen: Nach einer Modernisierung wurde der öffentliche Badebetrieb wieder aufgenommen. In dem städtischen Hallenbad mit seinem immer auf 30 °C aufgeheizten Schwimmbecken werden nun weiterhin Babys erste Erfahrungen im warmen Wasser machen, Schulkinder schwimmen lernen, Mütter und Väter mit ihren Kindern Spaß haben und Senioren sich körperlich fit halten.

Im Hallenbad Haiger ist immer ein Warmbadetag
Bild: Walter Lutz

Für die Stadt Haiger mit ihren knapp 20 000 Einwohnern war es nicht einfach, die notwendige Sanierung des 1964 gebauten Hallenbads zu finanzieren. Die Schließung hätte aber bedeutet, dass die Schulen in Haiger und in der Umgebung die einzige Möglichkeit für ihren Schwimmunterricht verloren hätten. Hilfreich war daher, dass die Hessische Landesregierung zu der von der Stadtverordnetenversammlung Anfang 2012 beschlossenen Sanierung einen unerwartet hohen Zuschuss aus einem Sonderprogramm gewährt hatte. Der auf Wunsch des Kommunalparlaments gegründete Förderverein sagte außerdem zu, die Pflege der Außenanlagen in Eigenleistung zu übernehmen sowie Sponsorengelder einzuwerben.

Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung wurde zusätzlich dadurch erleichtert, weil sich die Stadt auf die Finanzierung der baulichen Sanierung, vor allem der Hallendecke, der fälligen Erneuerung der Be- und Entwässerung des Beckens sowie des Umbaus der Lüftungsanlage beschränken konnte. Die ebenfalls überfällige Modernisierung der Energiezentrale des Hallenbades übernahmen die Stadtwerke Haiger als Contractor. Der kommunale Eigenbetrieb, der für die Wasser-, Gas- und Stromversorgung zuständig ist, wirkt auch bei anderen städtischen Liegenschaften als Energiedienstleister.

Die Stadtwerke setzten auch bei der Neugestaltung der Energieversorgung des Hallenbades auf Kraft-Wärme-Kopplung. Der Einsatz eines BHKW gehörte zu den Vorgaben für die Planung, mit der Anfang 2013 die Enerma Gesellschaft für Energiedienstleistungen mbH aus Siegen beauftragt wurde. Die Umsetzung des Konzepts zur Modernisierung der Heizzentrale hat nach einer im Juli 2013 erfolgten Ausschreibung die WHSE GmbH & Co. KG übernommen. Der auf effiziente Heizung und Kühlung mit BHKW spezialisierte Haiger Fachbetrieb für Heizungs- und Gebäudetechnik wird von Hans Hermann Freischlad und seinem Sohn Christian Freischlad geleitet. Freischlad Senior ist ein bundesweit anerkannter Pionier der BHKW-Technik, dessen unternehmerischem Engagement mit zu verdanken ist, dass im Stromnetz der Stadtwerke Haiger 60 BHKW, die meisten davon im Leistungsbereich zwischen 1 und 6 kW, installiert sind. Neun der BHKW betreiben die Stadtwerke selber.

Hocheffiziente KWK-Energieversorgung

In der Heizzentrale des Hallenbades ersetzen zwei erdgasbetriebene BHKW-Module XRGI 20 mit je 20 kW elektrischer und 40 kW thermischer Leistung des dänischen Herstellers EC Power sowie ein 280-kW-Gaskessel von Vaillant die beiden mit je 650 kW deutlich überdimensionierten alten Kessel. Der Umbau startete im September 2013, am 26. Februar 2014 konnten die BHKW erstmals in Betrieb genommen werden und Ende April 2014 war die Heizzentrale fertiggestellt.

Zwei BHKW-Module der EC Power XRGI 20 sorgen im Hallenbad Haiger für effiziente Wärme- und Stromversorgung
Bild: Walter Lutz

Die BHKW-Aggregate von EC Power hat die WHSE empfohlen, weil sie sehr leise und kompakt seien sowie mit 5 000 Betriebsstunden lange Wartungsintervalle haben. Das Unternehmen WHSE, das inzwischen als Premium-Partner auch ein EC Power-Center in Siegen betreibt, hat mit den Stadtwerken ein Vollwartungsvertrag für die beiden BHKW-Module abgeschlossen.

Auf der Grundlage von Messungen, mit denen bereits 2012 im Vorfeld des Umbaus der Wärmebedarf detailliert ermittelt wurde, konnte die KWK-Anlage sehr präzise ausgelegt werden. Dabei wurden auch die Übergabestellen der Heizkreisläufe der Lüftungsanlage, der Heizkörper zur Raumheizung, des Warmwassers zum Duschen und der Beckenwassererwärmung auf eine niedrige Rücklauftemperaturen von 40 °C abgestimmt. Dies ermöglicht die Brennwertnutzung bei den BHKW und dem Kessel, sodass bei einer Vorlauftemperatur von 80 °C für die KWK-Aggregate einen Gesamtwirkungsgrad von rund 96 % und für den zur Reserve und zur Deckung der Spitzenlast eingesetzten Gaskessel ein Jahresnutzungsgrad von etwa 97 % errechnet wurde.

Die KWK-Anlage ist so dimensioniert, dass sie die durch die Beckenwassererwärmung bestimmte Wärmegrundlast deckt. Zusätzlich sorgen zwei Pufferspeicher mit einem Volumen von je 1 200 l für einen gleichmäßigen Betrieb mit kalkulierten 7 500 Volllaststunden im Jahr, wenn das Hallenbad wie geplant ganzjährig genutzt wird. Die Ergebnisse der ersten zwei Monate Badebetrieb lassen erwarten, dass die berechnete Auslastung erreicht wird, berichtet Heinz-Rudolf Bartels, der Technische Betriebsleiter der Stadtwerke Haiger. Durch die verbesserte Effizienz der Anlage steigt der Gasverbrauch – trotz der zusätzlichen Stromproduktion – nicht wesentlich.

Erwartet wird eine Stromerzeugung des BHKW von jährlich 300 000 kWh, wovon bis zu 120 000 kWh direkt im Hallenbad verbraucht werden. Der Rest wird in das Netz der Stadtwerke eingespeist und nach dem KWK-Gesetz vergütet. Nur noch rund 10 % des Strombedarfs müssen für das Objekt zugekauft werden. Erweisen sich die Planungen im Laufe des Betriebes als zutreffend, kann die Stadt mit einer Reduzierung ihrer Betriebskosten im Hallenbad um etwa 30 % rechnen. Auf der Haben-Seite steht außerdem ein um 175 t/a verringerte CO2-Ausstoß – und das bei einer Menge Badespaß.

Die Anlage auf einen Blick
Standort: Hallenbad Haiger
Betreiber: Stadtwerke Haiger
Planung: Enerma Gesellschaft für Energiedienstleistungen mbH, Siegen
Ausführung: WHSE GmbH & Co. KG, Haiger
Besonderheit: Hohe Effizienz und ganzjährige Auslastung der Mini-BHKW durch präzise Auslegung
Anlage: Zwei BHKW-Module XRGI 20 mit je 20 kWel und 40 kWth der EC Power, ein 280-kW-Gaskessel von Vaillant, zwei 1 200-l-Pufferspeicher
Wirtschaftlichkeit: Erwartet wird eine Reduzierung der Betriebskosten um etwa 30 %
Umweltschutz: CO2-Ausstoß um 175 t/a reduziert; spezifischer CO2-Ausstoß des BHKW-Stroms 195 g/kWh (GuD-Benchmark: 365 g/kWhel)
Auskunft: Christian Freischlad, Tel. 0 27 73/74 62 19 0, christian.freischlad@whse.de;
Heinz-Rudolf Bartels, Tel. 0 27 73/81 12 60, bartels@stadtwerkehaiger.de

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September 23, 2014

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Onlineshop für Strom-Großkunden

Großkunden von Stadtwerken und Versorgern können künftig Strommengen online und rund um die Uhr einkaufen. Das Systemhaus T-Systems bietet die dafür notwendige Technik-Plattform.

Stadtwerke und Versorger können künftig ihren Großkunden ermöglichen, Strom rund um die Uhr und bequem online einzukaufen. Die Telekom-Tochter T-Systems bietet neuerdings allen Versorgern eine Portallösung, mit der Großkunden Orders zum Kauf oder Verkauf von Tranchen und großen Liefermengen über das Internet an den Versorger geben können. “Mit unserem neuen Portal beschleunigen und erleichtern wir Transaktionen zwischen Energieversorgern und ihren Großkunden und sorgen außerdem für weniger Fehleranfälligkeit”, erklärt André Bock das Angebot. Bock ist bei T-Systems für den Vertrieb an Stadtwerke verantwortlich: “Offenbar treffen wir mit dem Angebot auf einen wirklichen Bedarf. Innerhalb von wenigen Tagen haben wir schon Anfragen von Energieversorgern in mittlerer zweistelliger Anzahl erhalten: Vom kleinen Stadtwerk bis zum großen Versorger sind alle Arten von Unternehmen dabei.”

Nach Einschätzung von T-Systems läuft der Energieeinkauf von Großkunden bei ihren Versorgern bisher sehr manuell ab. Die Anfragen kommen per Mail, Telefon oder Fax vom Kunden an den zuständigen Vertriebsmitarbeiter des Energieunternehmens, der die Order weiter in die Handelsabteilung gibt. Dort wird anhand der Preisformel der Kauf oder Verkauf ausgeführt und an den Kundendienstmitarbeiter zurückgemeldet, der wieder per Fax, Telefon oder Mail den Kunden informiert. “Das ist ein sehr umständlicher Prozess, der viel Zeit und Ressourcen kostet und bei dem viele Fehler entstehen können. Und für die Kunden ist es schwierig, mit diesem System die exakten Preisentwicklungen zu kennen, den Überblick über ihr Portfolio zu behalten und auf kurzfristige Veränderungen zu reagieren”, sagt Bock.

Mit der neuen Portallösung können Stadtwerke und Versorger unter dem eigenen Logo Großkunden die Möglichkeit einräumen, Aufträge elektronisch und direkt an das Beschaffungssystem des Versorgers zu übermitteln. Per Kennwort und Benutzername erhalten Kunden den Zugang zu dem Online-Zugang, das direkt an das Beschaffungssystem des Versorgers angedockt wird. Gleichzeitig können Sie einen Überblick über aktuelle Preisentwicklungen und den Stand ihres eigenen Portfolios gewinnen. Der Versorger kann sowohl Transaktionen mit langfristigen Terminmarktprodukten als auch mit kurzfristigen Spotverträgen ermöglichen. “Der Vorteil unseres Produkts ist, dass die große Testabteilung von T-Systems mitgeholfen hat, dieses System gegen Hacker zu schützen und ein sehr hohes Maß an Transaktionssicherheit zu gewährleisten”, sagt Bock. Falls gewünscht, kann vor der tatsächlichen Ausführung der Order eine Bestätigung durch ein Mitarbeiter des Versorgers als Sicherheitsbarriere eingeführt werden. “Im Geschäft mit Großkunden haben bislang Versorger und Stadtwerke wenig Möglichkeiten, sich vom Wettbewerb zu differenzieren”, sagt T-Systems-Mann Bock: “Die Möglichkeit, online sicher und bequem seinen Stromeinkauf erledigen zu können, ist ein solcher Extra-Service, mit dem man beim Kunden punkten kann.”

 

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September 18, 2014

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Strom tanken per Smartphone

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Belectric

Servicefreundliche Systeme für den Aufbau städtischer Ladenetze für Elektroautos bietet der Entwickler Belectric Drive an.

„Wir müssen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos darauf achten, keine Inseln mit inkompatiblen Systemen zu schaffen“, mahnt Sebastian Bachmann. Der Geschäftsführer des Ladeboxen- und Ladesystementwicklers Belectric Drive im nordbayerischen Kitzingen spricht damit ein akutes Problem an: Viele Ladenetze für Elektroautos sind nur mit speziellen Ladekarten und damit nicht für alle Autofahrer zugänglich.

Belectric Drive hat deshalb ihre Systeme so entwickelt, dass sie nicht nur mit Ladekarten, sondern mit jedem Smartphone genutzt werden können. Die Freischaltung erfolgt dann über QR-Code oder SMS. Das Softwaremodul (sms&charge) erlaube eine Abrechnung des getankten Stroms über die Mobilfunkrechnung des E-Mobil-Fahrers oder per Prepaid-Guthaben – und das europaweit, wie Bachmann betont. Weder eine Registrierung beim Ladeboxenbetreiber noch ein Vertrag sind nötig. Die Software erspare den Betreibern Verwaltungs- und Abrechnungsaufwand.

Wichtig ist dem Geschäftsführer noch etwas: Die Ladeboxen von Belectric Drive seien wartungs- und servicefreundlich. Der patentierte Plug-and-Play-Mechanismus ermögliche einen Austausch innerhalb weniger Minuten, so Bachmann. Dank Online-Updates entfalle eine Wartung vor Ort.

Als weiteren Pluspunkt nennt Bachmann den Ladebox-Controller. Diese Steuerungselektronik soll Ladestationen intelligent machen. Der Lastmanagement-Controller ermögliche die Verschiebung von Ladezeiten und Lastspitzen im Netz, maximiere die Nutzung von Solarstrom aus lokale Photovoltaikanlagen und steuere Batteriespeicher im System. Die Online-Funktion der Stationen erlaube nicht nur das Lastmanagement, sondern auch Abrechnung per SMS und Übermittlung von Echtzeit-Ladeinformationen an Navigationssysteme.

Stadtwerke als wichtige Partner

Der Hersteller aus Kitzingen hat bereits über 250 onlinefähige Ladepunkte für Elektroautos in Deutschland und Frankreich installiert. Kommunale Versorger wie N-Ergie in Nürnberg oder Stadtwerke Uelzen sind wichtige Partner. „Der Anteil unserer mit Stadtwerken durchgeführten Projekte liegt bei 70 bis 80 Prozent“, berichtet Bachmann. Fahrer von BMW-Elektroautos, die dem BMW i ChargeNow Netzwerk angehören, können an Belectric-Drive-Ladesäulen mit ihrer Karte Strom tanken. Außerdem kooperiert Belectric Drive mit dem Ökostromversorger Naturstrom.

Als zunehmend interessante Kunden sieht der Geschäftsführer Unternehmen, die erneuerbaren Strom erzeugen und als Eigenstrom in ihren Flotten nutzen oder Mitarbeitern anbieten wollen sowie Supermärkte und Einkaufszentren, die auf Parkplätzen Lademöglichkeiten einrichten wollen. Der halböffentliche Raum biete bessere Möglichkeiten zum Aufbau von Ladenetzen als öffentlicher Grund, wo komplizierte Genehmigungsverfahren zu durchlaufen seien.

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Fahrzeuge wird immer besser. Wir glauben, dass sich heutige Investitionen in Geschäftsmodelle mit Elektroautos und Ladenetzen ab 2017 auszahlen“, meint Bachmann. Wenn die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos weiter so stark wachse wie im ersten Halbjahr 2014, sei die von der Bundesregierung angestrebte eine Million E-Mobile bis 2020 sogar noch zu schaffen, zeigt er sich zuversichtlich.

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Investitionsrückgang in der Stromwirtschaft am größten

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Stadtwerke investieren weniger. Das geht aus einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter seinen Mitgliedern hervor.

Demnach haben kommunale Unternehmen im Jahr 2012 Umsätze von knapp 111  Mrd. Euro erwirtschaftet, davon wurden rund 8,7 Mrd. Euro investiert. Ein Jahr zuvor seien es noch 9,95 Mrd. Euro an Investitionen gewesen, teilte der VKU am 9. September mit. Der größte Rückgang ist laut dem Verband in der Stromwirtschaft zu verzeichnen. Hier seien 2012 rund 2,6 Mrd. Euro investiert worden und damit 0,6 Mrd. Euro weniger als noch 2011.

Nach Ansicht von VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck sind die unsicheren politischen Rahmenbedingungen das hauptsächliche Problem: „Die Daten aus der Mitgliederumfrage zeigen, dass die energiepolitischen Querelen nach den Ausstiegsbeschlüssen der Bundesregierung zu einer großen Verunsicherung geführt haben und die Investitionen gesunken anstatt gestiegen sind. Das ist besonders im Bereich der konventionellen Energieerzeugung zu spüren.“ Stetige Investitionen in Infrastrukturen sowie neue innovative Technologien seien aber von entscheidender Bedeutung, um die energiepolitischen Ziele zu erreichen.

Nach den Ergebnissen der Umfrage ist die Zahl der Beschäftigten weitgehend konstant bei über 145 000 Auszubildenden und Mitarbeitern. Im Endkundensegment haben die mehr als 1 400 VKU-Mitgliedsunternehmen einen Marktanteil von 46 % in der Stromversorgung, beim Gas beträgt der Anteil 59 %, 80 % in der Trinkwasser-, 65 % in der Wärmeversorgung und 26 % in der Abwasserentsorgung.

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September 10, 2014

Heidi Roider

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Eine Ladekarte für alle Fälle

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Viele Stadtwerke möchten den Trend zur Elektromobilität nicht verpassen. Beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur hilft die Initiative ladenetz.de.

Angesichts der bislang geringen Zahl von Elektroautos und hoher Kosten für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur ist mit dem reinen Stromverkauf an Autofahrer kaum Geld zu verdienen. „Warum sollen wir für 10 000 Euro eine Ladestation aufstellen, wenn es kein Geschäftsmodell für das e-Tanken gibt und dort überwiegend Nicht-Kunden Strom ziehen“, fragt Peter Friedrich. Der kaufmännische Betriebsleiter der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen verweist auf hohe Transaktionskosten für die Durchbuchung des Rechnungsbetrages für Ladestrom bis zum Elektroautofahrer, die IT-Anbindung und die buchhalterische Integration des Ladevorgangs.

Da kommt eine Initiative wie ladenetz.de wie gerufen. „Lokale Energieversorger können ladenetz.de als Partner beitreten und so unkompliziert, kostengünstig und zukunftsorientiert in das Geschäftsfeld Elektromobilität einsteigen“, erklärt Mark Steffen Walcher, Geschäftsführer der smartlab Innovationsgesellschaft in Aachen, die hinter ladenetz.de steht. Smartlab ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Aachen, Duisburg und Osnabrück.

Die Beitrittsgebühr zu ladenetz.de ist abhängig von der Größe des Stadtwerks und beginnt bei 2 500 Euro für kleine Unternehmen. Dazu kommen Einrichtungskosten für die Anbindung an das smartlab-IT-System. Sie betragen 99 Euro pro Ladepunkt, bei einer Ladesäule mit zwei Ladepunkten also 198 Euro.

Monatlich fallen zudem 12 Euro für die Verwaltung und 2 Euro für die Web-Präsenz pro Ladepunkt an. Dafür veröffentlicht smartlab Ladepunktdaten auf ihrer Internetseite sowie in der bislang nur für i-Phones entwickelten lade-App und gibt die Daten an Navigationsdienstleister weiter. Über eine SIM-Karte in jeder Ladestation und das Mobilfunknetz erhalten die Stadtwerke Zugang zur Ladepunkt-Verwaltung und zur Fernwartung der Ladesäulen.

Bescheidene Einnahmemöglichkeiten für Stadtwerke

Den Kosten stehen bislang noch bescheidene Einnahmemöglichkeiten gegenüber. Kunden der beteiligten Stadtwerke erhalten eine Ladekarte noch überwiegend gratis, ebenso wie den abgegebenen Strom. Auch für Nichtkunden gibt es Ladestrom umsonst, Ladekarten kosten 180 Euro für ein Jahr, 50 Euro für einen Monat oder 20 Euro für sieben Tage. Alle Einnahmen werden von smartlab nach Abzug eines Eigenkostenanteils an die Stadtwerke weitergeleitet. „Wir haben dieses Preismodell entworfen, die Preishoheit liegt aber bei den einzelnen Stadtwerken“, sagt smartlab-Chef Walcher.

Die Initiative ladenetz.de entstand aus einem Forschungsprojekt zu Ladeinformationssystemen. Gestartet mit 13 Energieversorgern und 150 Ladepunkten verzeichnete sie stetes Wachstum. Heute sind von Sylt bis Waldshut-Tiengen fast 40 Stadtwerke sowie die Autokonzerne BMW und Mitsubishi mit deutschlandweit 190 Ladesäulen beziehungsweise 380 Ladepunkten Partner bei ladenetz.de.

Über Roaming-Kooperationen mit den Energieversorgern EnBW (734 Ladepunkte), Vattenfall (220) und den EWE (66) sowie The New Motion (3 500) und dem niederländischen Ladenetzbetreiber e-laad (2 458) erschließt der Verbund fast 4 000 Ladestationen mit über 7 000 Ladepunkten in Deutschland, in den Benelux-Staaten und in Österreich.

Netzwerk elektromobilitätserfahrener Partner

Ziel von smartlab ist es, Stadtwerke und weitere Partner für Elektromobilität zu gewinnen und ein flächendeckendes Netz von kommunalen Ladestationen in Deutschland aufzubauen. Ergebnis ist ein Netzwerk elektromobilitätserfahrener Partner, in dem laufend Experten- und Praxiswissen in Form von Beratung, Schulungen und Veranstaltungen ausgetauscht wird.

Von Anfang an mit dabei sind die Allgäuer Überlandwerke (AÜW). „Für uns ist ladenetz.de ein wichtiger Baustein, um uns im Allgäu als kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen rund um Elektromobilität und Ladeinfrastruktur zu positionieren“, erklärt AÜW-Vertriebsleiter Stefan Mayer. Auch die Stadtwerke München sind Partner von ladenetz.de. Sie betreiben 21 Ladesäulen, neun davon sind zum Roaming angemeldet.

Die neuesten ladenetz.de-Zahlen deuten auf Dynamik in der Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland hin: Derzeit werden rund 3 000 Ladekarten von ladenetz.de aktiv genutzt. Die Zahl der Ladepunkte der ladenetz.de-Infrastruktur ist von Mitte 2013 bis Mitte 2014 um 35 Prozent auf 380 gewachsen, die Anzahl der Ladevorgänge stieg um 200 Prozent auf über 17 000. Seit Anfang 2012 bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2014 wurden an den Ladepunkten insgesamt 150 000 kWh Strom abgegeben.

„Durch ladenetz.de und seine Roaming-Abkommen können Stadtwerke-Kunden mit einer Ladekarte exklusiv in ganz Deutschland tanken“, bringt Walcher die Vorteile auf den Punkt. „Der Kunde erhält Zugriff auf das bundesweit größte Ladeinfrastrukturnetzwerk, ihm wird dadurch die Reichweitenangst genommen.“

Starke Zuwächse auf niedrigem Niveau

Im Promillebereich spielt sich in Deutschland die Elektromobilität ab: 515 reine Elektroautos wurden im August 2014 neu zugelassen, das waren exakt 4,1 Promille oder 0,41 Prozent von 213 092 Pkw-Neuzulassungen. Auch beim Gesamtbestand von 43,9 Millionen Pkw rangieren die knapp 17 456 Batterieflitzer mit 0,4 Promille eher unter „ferner liefen“.

Die Zuwächse wiesen zuletzt eine gewisse Dynamik auf. Zu den 12 156 reinen Elektro-Pkw Anfang dieses Jahres kamen von Januar bis Ende August 5 300 neue hinzu, ein Plus von 43,6 Prozent. Die meisten Elektro-Pkw fahren mit je rund 2 400 in Baden-Württemberg und Bayern. Elektroauto-Hauptstadt ist Stuttgart mit rund 900, davon über 400 Elektro-smart der Flotte des Carsharing-Anbieters Car2go, gefolgt von München (800), Wolfsburg (700), Berlin (660, davon 350 Citroen C-Zero des Carsharing-Anbieters Multicity) und Köln (550).

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September 9, 2014

Reinhard Siekemeier

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Höhne neuer Vorstandsvorsitzender in Mainz

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Detlev Höhne ist seit 1. September neuer Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Mainz AG.
Der bisherige Vorstandsvorsitzende Dr. Werner Sticksel (62) ist Ende August nach Ablaufen seines Vertrages aus dem Vorstand der Stadtwerke Mainz ausgeschieden, teilte das Unternehmen mit. Höhne übernimmt das Amt. Er war bisher der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Kaufmännische Vorstand und ist seit Oktober 2002 im Vorstand der Stadtwerke Mainz tätig.Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Mainz hat zudem Dr. Tobias Brosze zum neuen Vorstandsmitglied bestellt. Er hat den Posten als Technischer Vorstand im Unternehmen übernommen. Bisher war Brosze unter anderem als Prokurist für den Geschäftsbereich Organisation/IT und Beschaffung bei den Mainzern tätig. Den Wechsel im Vorstand hatte der Aufsichtsrat bereits im Februar 2014 beschlossen.

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September 2, 2014

Heidi Roider

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Chefwechsel in Bad Tölz

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Walter Huber (53) wird zum 1. Februar 2015 neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Tölz GmbH.

Huber ist derzeit noch Geschäftsführer der Stadtwerke Erding GmbH und war davor bereits stellvertretender Geschäftsführer
des Tölzer Energieversorgers. Im kommenden Jahr übernimmt er dort die Position von Achim Thiel.

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September 3, 2014

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EU-Kommission regelt Zuständigkeit für Handelsstreitigkeiten neu

~~~Aktuelles aus der Stadtwerke-Szene~~~

EU-Handelskommissar Karel de Gucht hat mit einer am 28. August veröffentlichten Verordnung Klarheit darüber geschaffen, welche Ebene bei Rechtsstreitigkeiten mit ausländischen Investoren zuständig ist.  Bei künftigen Investor-Staat-Streitigkeiten im Rahmen von EU-Handelsabkommen oder dem Vertrag über die Energiecharta regeln nun eindeutige Bestimmungen die Zuständigkeiten. Für Streitfälle, bei denen es um nationale Maßnahmen geht, sollen demnach die Mi…EU-Kommission regelt Zuständigkeit für Handelsstreitigkeiten neu

Steag wird zum Stadtwerk

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Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr übernimmt den Essener Energieversorger Steag vollständig. Der Kaufvertrag für 49 Prozent Anteile, die noch vom Industriekonzern Evonik gehalten werden, wurde am 29. August unterzeichnet.
Die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG) der Energieversorger aus Duisburg, Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken erwirbt für 570 Mio. Euro 49 Prozent des Steinkohleverstromers und Energiedienstleisters Steag. Bereits 2011 hatten die Stadtwerke für 650 Mio. Euro 51 Prozent an der früheren Ruhrkohle-Tochter übernommen. Der Steag-Kauf kostet die kommunalen Unternehmen damit insgesamt gut 1,2 Mrd. Euro. Der Abschluss des Geschäfts wird für 5. September erwartet.

„Das Stadtwerke-Konsortium nutzt die aktuell günstige Situation auf dem Kapitalmarkt und übt die vertraglich vereinbarte Call-Option zum Erwerb der ausstehenden 49 Prozent zum jetzigen Zeitpunkt aus“, erklärte Bernd Wilmert, Chef der Stadtwerke Bochum und Vorsitzender der Geschäftsführung der KSBG. Mit jedem Jahr, das die Stadtwerke noch abgewartet hätten, wäre die Übernahme um einen zweistelligen Millionenbetrag teurer geworden. Als alleiniger Eigentümer habe das Konsortium bessere Gestaltungsmöglichkeiten zur Weiterentwicklung des Unternehmens.

Schon das bisherige Engagement hat sich für die kommunalen Gesellschafter gelohnt. „Die Beteiligung an der Steag hat sich als profitabel erwiesen“, sagte Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke AG sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Steag, nach der Vertragsunterzeichnung Ende August. Erwartungen der Stadtwerke seien durch die bisherigen Ausschüttungen übertroffen worden.

Die KSBG wird in diesem Jahr voraussichtlich 35 Mio. Euro an die Gesellschafter ausschütten, im letzten Jahr waren es 25 Mio. Euro. Die Steag ist als Betreiber von acht konventionellen Kraftwerken in Deutschland zwar auch vom Strompreisverfall durch immer mehr erneuerbare Energie betroffen, doch das Unternehmen lieferte offenbar zuletzt dennoch solide Ergebnisse.

Konventionelle Erzeugung erneuerbar erweitern

Die Steag will ihr Erzeugungsportfolio erweitern. Bislang betreibt das Unternehmen insgesamt elf Kraftwerke sowie über 200 dezentrale Anlagen mit gut 10 000 MW Erzeugungskapazität, davon rund 8 500 MW in Deutschland. Insbesondere die erneuerbare Stromproduktion soll ausgebaut, der Erzeugungsmix dadurch diversifiziert werden. Ziel in Deutschland sei ferner, den Kraftwerkspark auch unter den veränderten Rahmenbedingungen der Energiewende wettbewerbsfähig zu betreiben und die Handelskompetenz auszubauen.

Außerdem soll sich das Unternehmen weiter als kommunale Erzeugungs-, Handels- und Dienstleistungsplattform etablieren und das Geschäft mit Industriekunden sowie in kommunalen Kooperationen entwickeln.

International will die Steag am weltweit wachsenden Markt für konventionelle und erneuerbare Energien teilhaben und ihren Marktanteil bei Dienstleistungen entlang der Energieerzeugung ausweiten. Vor allem das internationale Kraftwerksgeschäft – die Steag betreibt drei Anlagen in Kolumbien, in der Türkei und auf den Philippinen − war in den Gesellschafterkommunen im Zug der Diskussion über den Kauf der weiteren Anteile kritisch hinterfragt worden.

Die kommunalen Gesellschafter sind außerdem auf der Suche nach weiteren Partnern für die Steag. „Nach der vollständigen Übernahme werden wir nun die Suche nach Partnern fortsetzen, mit denen wir die Beteiligung weiterentwickeln können“, erklärte Aufsichtsratschef Pehlke. Die Partnersuche soll jetzt vordringliche in Angriff genommen werden, heißt es von Gesellschafterseite.

An der KSBG halten die Stadtwerke Duisburg AG 19 Prozent, die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) und die Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21) je 18 Prozent, die Stadtwerke Bochum GmbH 18 Prozent, die Stadtwerke Essen AG 15 Prozent sowie die Energieversorgung Oberhausen AG (evo) und die Stadtwerke Dinslaken GmbH jeweils 6 Prozent.

 

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August 29, 2014

Peter Focht

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