Finanzieller Spielraum vieler Stadtwerke wird enger

Die Finanz- und Ertragslage einiger kommunaler Energieversorger wird langsam kritisch. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor.
Noch befinden sich die meisten Energie- und Versorgungsunternehmen (EVU) auf einem soliden finanziellen Niveau. Jedoch liegt laut der Studie bei einem Viertel der untersuchten Unternehmen der Verschuldungsgrad bereits im “zunehmend kritischen Bereich”. Für die Studie hat PwC Kennzahlen der Jahresabschlüsse von 150 kommunalnahen Energie- und Versorgungsunternehmen (EVU) in dem Zeitraum von 2009 bis 2012 ausgewertet.

Die Eigenkapitalausstattung liegt nach den Zahlen der Studie zwar noch in einem komfortablen Bereich. Sie ging aber von 2009 bis 2012 beständig von 44 auf 42,5 % zurück. Dabei sind die Eigenkapitalquoten der kleineren EVU tendenziell besser als die der großen Energieversorger. Die Verfasser der Studie vermuten, dass die großen Versorger etwas leichter an Kredite kommen. Zeitgleich stieg die Verbindlichkeitenquote. Sie misst das Verhältnis der Bruttofinanzverschuldung zum Gesamtkapital und wird vor allem von Ratingagenturen für ihre Bonitätsanalysen genutzt. Die Verbindlichkeitenquote stiegen demnach durchschnittlich von 31,5 auf 34 %.

Die Ausschüttungsquoten sind trotz schrumpfender Gewinne hingegen auf einem durchweg hohen Niveau zwischen 88 und 90,4 % geblieben. Dies führe zu einem tendenziell höheren Fremdfinananzierungsbedarf und somit zu fallenden Eigenkapitalquoten. Verringerungen der Ausschüttungsquoten seien derzeit zwar ein Thema bei Gesprächen mit Stadtwerken, sagte Studienautor Bernd Papenstein der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings seien in vielen Städten die Einnahmen aus den Stadtwerken traditionell für die Abdeckung defizitärer Einrichtungen wie Bus, Bahn oder Schwimmbäder eingeplant.

Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein finanzieller Kraftakt

Die beobachteten Trends setzten sich nach Ansicht Papensteins auch
2013 und 2014 fort. In den kommenden Jahren sei mit einer Abwertung der kommunalen Versorger durch die Ratingagenturen auf breiter Front zu rechnen. Dadurch werde sich die künftige Finanzierung erschweren.

Zudem stehen die Unternehmen “vor großen Herausforderungen”, ist in der Studie zu lesen. Auf der einen Seite führen die erforderliche Netzfinanzierung, die Marktliberalisierung im Endkundengeschäft und der seit rund drei Jahren ausgeprägte Preisdruck an den Strommärkten zu sinkenden Erträgen im Netzbereich sowie beim Absatz. Zudem erwirtschaften viele deutsche Energieversorger mit ihren Gas- und Kohlekraftwerken Verluste. Auf der anderen Seite würden jedoch die notwendigen Investitionen steigen, etwa in regenerative Produktionsanlagen. Dieser Spagat werde “zu einer außergewöhnlichen finanziellen Kraftanstrenung”.

Die EVU werden nach Ansicht der Studienverfasser daher künftige Investitionsprojekte überdenken und die Ausschüttungen an die kommunalen Eigentümer zurückfahren. Dennoch glaubt Papenstein, dass künftig Ausschüttungsquoten von 50 % realistisch seien. “Halbe, halbe ist eine faire Lösung. In diese Richtung werden wir gehen”, sagte er.

Die Studie “Energie- und Versorgungsunternehmen im Spannungsfeld zwischen Ertrag, Investitionen und Verschuldung” ist kostenlos abrufbar auf der Internetseite von PwC.

 

 

E&M powernews
Mai 8, 2014

Heidi Roider
Tel: +49 8152 9311-0
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